Von iSkin zu SkinMarks: Touchscreen ohne Screen

Die Streichelsteuerung

Gedanklich mögen unsere Smartphones ja schon Teil von uns sein, physikalisch sind sie es noch nicht: Immer noch muss man mit der Pfote auf das Display patschen, um einen Anruf entgegenzunehmen oder die Musik lauter zu stellen. Und dann geht dieses Display auch noch kaputt, wenn es runterfällt. Muss das sein?

Nein, sagen Forscher von der Universität des Saarlandes. Sie haben 2015 schon iSkin vorgestellt, eine Art auf der Haut tragbare Folie, die hauchdünne Touch-Sensoren enthält. Diese können zur Steuerung elektronischer Geräte verwendet werden:

Auch Google fand das vielversprechend und ist ins Projekt mit eingestiegen. Herausgekommen ist die nächste Iteration: SkinMarks, eine zweite Haut, die noch einmal deutlich dünner und flexibler ist und so eher einem Kindertattoo (den aufklebbaren Dingern, die man früher in Kaugummipackungen fand) ähnelt als der iSkin-Folie.

Wie macht man so einen aufklebbaren Sensor? Aus dem leitfähigen Kunststoff PEDOT:PSS. Und wie Kindertattoos auch, wird aus diesem ein Muster auf eine Transferfolie gedruckt. Von der aus kann man das Tattoo dann auf die Haut aufbringen. Nur die Kommunikation mit dem zu steuernden Gerät erfolgt dann noch etwas unelegant: Im Prototypen über ein aufgeklebtes Kupferkabel.

Die Tattoos dagegen können in beliebigen Formen gedruckt werden und auf beliebige Körperstellen aufgebracht werden (Arschgeweih, anyone?).

Lässt sich das auch medizinisch nutzen? Die Entwickler scheinen ihre Fühler noch nicht in diese Richtung ausgestreckt zu haben, aber denkbar wäre zum Beispiel die diskrete Steuerung von Hörgeräten. Langweilige Besprechung? Während man scheinbar nachdenklich die Hände faltet, schaltet man in Wirklichkeit den externen Input zum Cochlea-Implantat aus und streamt die Live-Übertragung einer Fußballreportage. Oder die Bedienung eines Retina-Implantats: Im zu hellen Schlafzimmer einmal kräftig die Augen zusammengekniffen, und das Implantat fährt runter – dem Schläfchen steht nichts mehr im Weg.

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