Cyborgs: Patient & Arzt in einem?

Und jetzt noch mal ohne Betäubung

Ob jemand ein schwieriger Patient ist oder jemand, der sein Schicksal selbst in die Hand nehmen möchte, liegt oft im Auge des Betrachters. Traditionell sieht die Medizin es aber vor, dass der Patient sein Schicksal passiv erduldet – eben „patiens“, also erduldend, ist.

Das sehen die Mitstreiter der e-Patient-Bewegung nicht mehr ein: Sie wollen gleichberechtigte Partner der Ärzte sein. Ihren Anfang nahm die Bewegung mit Dr. Tom Ferguson (verstorben 2006), und ihr prominentester Vertreter ist „e-Patient Dave“, wie Patientenaktivist Dave deBronkart sich selbst bezeichnet. Bei ihm war 2007 bei einer Röntgenuntersuchung der Schulter zufällig eine Metastase in der Lunge gefunden worden, die – so stellte sich heraus – von einem fortgeschrittenen Nierenkarzinom stammte. Er schloss sich mit anderen, ähnlich betroffenen Patienten zusammen, die ihm halfen, mehr über seine Behandlung zu erfahren und sich darauf vorzubereiten. Bis heute ist er in der Society for Participatory Medicine aktiv – zehn Jahre nach seiner Erstdiagnose.

Dave deBronkart weist in seinem Manifest „Let Patients Help!“ (auf Deutsch im Buch „Gesundheit 2.0“) darauf hin, dass es kein Ersatz für ungefilterten Zugang zu Informationen ist, wenn man dem Patienten sorgfältig ausgewählte Informationsbrocken vorsetzt. Auch den Einwand, dass die meisten Patienten mit Fachinformationen nicht umgehen könnten, lässt er nicht gelten: Sie hätten jahrzehntelang keinen Zugang zu diesen Informationen gehabt, und wenn sich dies nun ändert, dann würden Patienten mit der Zeit auch kompetent darin werden, diese Informationen zu verstehen oder sich Hilfe dabei zu holen.

Und das vielleicht wichtigste Argument für die Teilhabe von Patienten an Diagnose und Therapie: Kein Arzt weiß alles, aber ein Patient kann Spezialist für seine eigene Erkrankung werden.

Dave und seinen Mitstreitern geht es, wie man sieht, hauptsächlich um Information und gemeinsame Entscheidungsfindung. Was aber passiert, wenn Patienten entscheiden, selbst Hand anzulegen? In der Cyborg-Bewegung gibt es nicht nur Vertreter, die sich aus Spaß (oder um den schwedischen ÖPNV zu benutzen) RFID-Chips in die Hand implantieren lassen. Es gibt auch solche, die medizinische Defizite haben, die sie mit selbst gebauten oder modifizierten Geräten ausgleichen wollen.

Ist der Patient der Zukunft also gleichzeitig sein eigener Arzt und Medizintechniker? Darum geht es in meinem heutigen Vortrag auf der MST-Konferenz in Dortmund. Die Folien findet Ihr hier.

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